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20. Februar 2024

Wie aus Rohwasser Trinkwasser wird und warum es hier anders schmeckt als in Süddeutschland

Mitarbeiter des WVS gaben Jugendlichen der Anita Ruth Faber Sekundarschule besondere Unterrichtsstunde im Heimatmuseum Netpherland

Eine Unterrichtsstunde der besonderen Art stand jetzt für 15 Schülerinnen und Schüler der Anita Ruth Faber Sekundarschule Netphen auf dem Plan. Sie tauschten ihre Klassenzimmer gegen das Heimatmuseum Netpherland. Dort findet noch bis Ende März die Sonderausstellung „WasserWerk“ statt, die anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Obernautalsperre das Thema Wasser in den Fokus rückt. Passend dazu initiierte die Schule kürzlich eine Projektwoche, die das Lebensmittel Nr. 1 ebenfalls zum Gegenstand hatte. Natürlich durfte da ein Besuch der Sonderausstellung im benachbarten Museum nicht fehlen. Doch die Jugendlichen hatten an diesem Tag nicht nur Gelegenheit, sich die Exponate anzusehen und Infotafeln durchzulesen. Sie konnten ebenso diejenigen mit Fragen löchern, die für die Gewinnung, Aufbereitung und Bereitstellung des Trinkwassers im Kreis Siegen-Wittgenstein zuständig sind.

Die Schülerinnen und Schüler der Anita Ruth Faber Sekundarschule Netphen nutzten die ungewöhnliche Unterrichtsstunde, um mit den Fachmännern über das Thema Wasser ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen.

Denn mit Andreas Scherer und Philipp Rahrbach waren auch zwei Mitarbeiter des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein (WVS) ins Museum gekommen, um den Mädchen und Jungen ein paar Einblicke in ihren Arbeitsalltag und die Trinkwasserversorgung in der Region zu geben. Dafür hatten sie jede Menge Infos mitgebracht und sogar das Modell einer Filteranlage aufgebaut, mit welchem sie die einzelnen Schritte der Wasseraufbereitung anschaulich vorführten.

Wasser- und Rohrnetzmeister Andreas Scherer erklärte, was es mit den verschiedenen Filterstufen auf sich hat.

Wie die Schüler und Schülerinnen erfuhren, führt der Wasserverband sein gewonnenes Rohwasser über zwei Filterstufen, um aus ihm einwandfreies Trinkwasser herzustellen, das die hohen Qualitäts- und Hygieneanforderungen hierzulande erfüllt. Denn obwohl das Rohwasser im Siegerland einzigartig und sehr sauber ist, da es aufgrund seines geschützten Einzugsgebiets ohne anthropogene Einflüsse keine industriellen oder menschlichen Schadstoffe enthält, sind die Vorgaben für Trinkwasser in Deutschland sehr streng. „Alles, was wir beachten müssen, ist in der Trinkwasserverordnung geregelt“, erklärte Wasser- und Rohrnetzmeister Andreas Scherer und zeigte auf das wuchtige Modell. „In der ersten Filterstufe werden Keime und Trübstoffe herausgefiltert. Die bleiben hier in den Zwischenräumen der Filterkörner hängen.“ In der zweiten Filterstufe müsse das Wasser aufgehärtet werden, da es aufgrund der geologischen Gegebenheiten im Siegerland sehr weich ist. „Die Kohlensäure im Wasser könnte zu Korrosion in den Wasserleitungen führen und irgendwann würden sich die Rohre auflösen. Um das zu verhindern, fügen wir dem Wasser Kalk hinzu. Der bindet die Kohlensäure und macht sie unschädlich. Außerdem desinfizieren wir das Wasser, damit es immer frisch ist“, berichtete Andreas Scherer.

Das Filtermodell vermittelte einen Eindruck von der hochmodernen Technik, die täglich zum Einsatz kommt. „Dafür zu sorgen, dass alles einwandfrei funktioniert, ist wesentlicher Bestandteil unseres Jobs“, erläuterte Philipp Rahrbach, der 2021 seine Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik beim WVS erfolgreich beendet hat und dort seither einer von rund 90 Mitarbeitenden ist, die dafür sorgen, dass in Siegen-Wittgenstein jederzeit ausreichend sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Weitere Impressionen hatten er und Andreas Scherer in Form von Fotos und einem Video aus ihrem Arbeitsalltag mitgebracht. Zu jeder Aufnahme gaben sie eine ausführliche Erklärung. Auf diese Weise stellten sie den Jugendlichen auch den Beruf der Fachkraft für Wasserversorgungstechnik bzw. des Umwelttechnologen für Wasserversorgung vor, der beim WVS erlernt werden kann.

Doch wer ob der ganzen Technik nun meinte, sauberes Trinkwasser sei eine Idee des 21. Jahrhunderts, der irrte gewaltig. Selbst im Mittelalter war dieser Gedanke schon alt. „Bereits die Kelten und die Römer wussten, dass Wasser rein sein muss, um nicht krank zu werden“, sagte Andreas Scherer. Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gunst der Stunde, um von den Experten weitere Fakten übers Wasser in Erfahrung zu bringen. Warum zum Beispiel schmeckt es in Süddeutschland anders als bei uns? Andreas Scherer klärte gerne auf: „Weil die geologischen Gegebenheiten dort andere sind und die beeinflussen das Wasser – auch im Geschmack.“

Nach rund einer Stunde des regen Austauschs über geologische, biologische und chemische Besonderheiten konnten die Jungen und Mädchen bei einem abschließenden Quiz noch einmal unter Beweis stellen, was sie zum Thema Wasser bereits gelernt hatten. Hier beeindruckten sie die WVS-Mitarbeiter mit teilweise sehr fundierten Kenntnissen. Die Mischung aus Geschichts-, Erdkunde-, Biologie-, Physik- und Chemieunterricht sorgte für Abwechslung im Stundenplan und machte den Beteiligten viel Spaß. Einmal mehr wurde an diesem Tag allen Anwesenden im Museum deutlich: dass immer genügend sauberes Trinkwasser aus dem Hahn kommt, ist – auch in Deutschland – keine Selbstverständlichkeit.

Philipp Rahrbach hat 2021 seine Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik beim WVS abgeschlossen. Seither kümmert er sich gemeinsam mit 90 Kolleginnen und Kollegen um die Trinkwasserversorgung in der Region. Mit dem Filtermodell demonstrierte er, wie das Rohwasser aus den Talsperren zu Trinkwasser aufbereitet wird.
Im Rahmen der Sonderausstellung „WasserWerk“ boten der Heimatverein Netpherland und der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) kürzlich eine Führung durch die Obernautalsperre an. WVS-Geschäftsführer Dirk Müller (li.) verriet den Anwesenden allerlei Wissenswertes rund um das Bauwerk und die Trinkwasserversorgung.

22. Januar 2024

Spannende Einblicke und neue Ausblicke

Heimatverein Netpherland und Wasserverband Siegen-Wittgenstein boten Talsperrenführung im Rahmen der Ausstellung "WasserWerk" an

Sie ist wohl eines der beliebtesten Ausflugsziele im nördlichen Siegerland – die Obernautalsperre. Täglich sind zahlreiche Spaziergänger, Erholungssuchende und Hobbysportler auf dem ca. 9 Kilometer langen Weg rund um die Wasserfläche unterwegs. Doch wie sieht es eigentlich im Inneren der Talsperre aus? Im Staudamm und im Entnahmeturm, der sich über die Wasseroberfläche erhebt und den man nur vom Ufer aus betrachten kann? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten ca. 25 interessierte Besucherinnen und Besucher kürzlich bei einer Talsperrenführung, die der Heimatverein Netpherland und der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) im Rahmen der Sonderausstellung „WasserWerk“ anboten.

Dirk Müller, Geschäftsführer des WVS, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Dammkrone unterhalb des Wanderparkplatzes. Hier gab er zur Einstimmung ein paar allgemeine Informationen zum Verband, seiner Historie und seinen Aufgaben, aber auch zur Wasserqualität im Siegerland. „Aufgrund unserer natürlichen Gegebenheiten und der Tatsache, dass es keine anthropogenen Belastungen in unseren Einzugsgebieten gibt, haben wir top Wasser“, so Dirk Müller. Eine Aufbereitung des hervorragenden Rohwassers sei dennoch nötig: „An das Trinkwasser werden in Deutschland sehr hohe Ansprüche gestellt. Die Trinkwasserverordnung ist unsere Maßregel, sie gibt uns ganz genau vor, was wir zu tun haben.“

Der WVS-Geschäftsführer ging in seiner Einleitung auch auf den Klimawandel und die aktuellen Wetterbedingungen ein. Im vergangenen Jahr habe man aufgrund des ausgiebigen Niederschlags vergleichsweise hohe Füllstände verzeichnen können. „Sie haben es sicher schon mitbekommen: derzeit sind unsere Talsperren voll.“ Doch der Klimawandel sei zweifellos da. Das hätten die Jahre 2018 bis 2020 mit den heißen, dürreähnlichen Perioden und dem daraus resultierten Waldsterben deutlich gezeigt. „Zu viel Wasser oder zu wenig Wasser? – Das Thema bleibt spannend“, konstatierte Dirk Müller und führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter zur Hochwasserentlastungsanlage.

Diese ist – vereinfacht ausgedrückt – dafür da, die Talsperre vor einem Überlaufen des Wassers über die Dammkrone bzw. einem Dammbruch zu schützen. „Die Bauwerkssicherheit hat für uns als Betreiber oberste Priorität“, erklärte Dirk Müller und zeigte auf die drei großen Fischbauchklappen. Im Winter halte der WVS stets einen Hochwasserschutzraum frei, um für Niederschlagsereignisse gewappnet zu sein. „Wenn aber so viel Regen fällt, dass auch dieser Schutzraum ausgeschöpft ist, läuft das Wasser über die Klappen der Hochwasserentlastungsanlage ab in das Tosbecken, wo es beruhigt und anschließend in den Obernaubach eingeleitet wird.“ In diesem Jahr stehe unter anderem die Betonsanierung der Anlage auf der To-do-Liste. „Die Sicherheitsstandards für Talsperren in Deutschland sind ebenso hoch wie für das Trinkwasser“, so der WVS-Geschäftsführer. Um die Versorgungssicherheit jederzeit zu gewährleisten, seien gerade die Systeme im Talsperrenbereich grundsätzlich redundant ausgelegt. Neben den routinemäßigen und notwendigen Kontrollen im Alltag finde im zehnjährigen Rhythmus eine umfangreiche, vertiefte Prüfung des Talsperrenbauwerks statt. Dann werde von der Hydrologie (Bemessungsabflüsse) über die Hydraulik bis statischen Betrachtungen alles auf links gedreht und begutachtet.

Die Hochwasserentlastungsanlage ist ein wesentlicher Bestandteil der Talsperre.

Über den Steg setzte die Gruppe ihren Weg anschließend fort zum Entnahmeturm. Hier konnten die Anwesenden ganz neue Ausblicke auf die Talsperre genießen. Normalerweise dürfen diesen Bereich nur Mitarbeitende des WVS betreten. Für die Führung öffnete Dirk Müller jedoch das Tor und die Gruppe nutzte sofort die Gelegenheit, die Landschaft von der Wasserseite aus zu fotografieren. Dann ging es in den Entnahmeturm und über eine Wendeltreppe an den Einläufen der Trinkwasserentnahme vorbei mehr als 50 Meter in die Tiefe bis auf den Grund der Talsperre. Die Armaturen und Rohre beeindruckten die Gäste allein durch ihre Größe und Massivität. Hier etwas auszutauschen bedürfe nicht nur einiges an Arbeit, sondern auch jeder Menge Planung, schilderte Dirk Müller. Immerhin gibt es solche Anlagen nicht im Baumarkt um die Ecke. „Wir können nicht warten, bis etwas kaputtgeht, sondern müssen vorher aktiv werden. Doch wie viele andere spüren auch wir die Auswirkungen der momentanen geopolitischen Situation deutlich in Form von Materialengpässen, Verteuerungen und langen Lieferfristen. An der Breitenbachtalsperre werden wir in diesem Jahr die Armaturen am Grundablass austauschen, da gibt es eine Lieferzeit von 26 Wochen.“

Über den Steg ging es für die Gruppe in den Entnahmeturm der Obernautalsperre. WVS-Geschäftsführer Dirk Müller (re.) gab anhand einer Karte Informationen zu den Wassereinzugsgebieten.

Die interessierten Besucher und Besucherinnen hörten gespannt zu und hatten auch einige Fragen. Wie steht es beispielsweise um das Thema Energiegewinnung an Talsperren? Dirk Müller erklärte, dass dies für den WVS derzeit nicht wirtschaftlich sei. Im Hinblick auf den Klimawandel müsse man sich jedoch mit alternativen Energien auseinandersetzen. Gerade die Entwicklung von Floating-PV-Anlagen, also schwimmenden Photovoltaik-Anlagen, beobachte man intensiv. Jedoch müsse alles, was in dieser Richtung gemacht werde, trinkwasserverträglich sein, denn: „Wir sind an erster Stelle Trinkwasserversorger und kein Energielieferant.“

Die zweistündige Führung endete schließlich auf der anderen Dammseite am Schieberhaus, nachdem die Anwesenden den rund 300 Meter langen Weg durch den Grundablasskanal zurückgelegt hatten. Hier öffnete der WVS-Geschäftsführer zur Demonstration noch kurz den Grundablasskanal. Gemeinsam beobachtete die Gruppe, wie 20.000 Liter Wasser pro Minute gegen die frisch sanierten Wände des Tosbeckens peitschten.

Die Ausstellung „WasserWerk“ ist noch bis Anfang März im Heimatmuseum Netpherland zu sehen. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Obernautalsperre im vergangenen Jahr behandelt sie das Thema Wasser in unterschiedlichen Facetten, aber stets mit lokalem Bezug. So widmet sich ein Teil der Ausstellung der Obernautalsperre, während ein anderer etwa die Badekultur im Netpherland erläutert. Auch die Wasserkraft und die im Siegerland früher häufig zu findenden Mühlen werden in den Blick genommen. Besucht werden kann die Ausstellung jeden 1., 3. und 4. Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr, jeden 2. Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung (heimatmuseum@heimatverein-netpherland.de). Daneben finden bis März weitere Veranstaltungen rund ums Thema Wasser statt. Eine Terminübersicht gibt es unter » www.stadtnetphen.de im Bereich „Veranstaltungen“.

1. Dezember 2023

Ein Gewässer mit Historie und ganz besonderen Bewohnern

Neue Tafeln informieren: Sohlbacher Weiher des WVS ist mehr als ein "Teich im Grünen"

Für viele ist er ein verwunschenes Idyll im Wald – der Sohlbacher Weiher, gelegen hinter der gleichnamigen Netphener Ortschaft. Ein landschaftliches Kleinod, das sich so wunderbar in die Natur einfügt, dass man meinen könnte, es sei schon immer da gewesen. Dabei wurde der Weiher vor über 130 Jahren künstlich angelegt. An die Hintergründe seiner Entstehungsgeschichte und seine Funktion in früheren Zeiten erinnert seit Kurzem eine neue Infotafel, die der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) als Eigentümer des Weihers an dessen Ufer aufgestellt hat. „Wir möchten damit das Andenken an die Historie des Gewässers wachhalten“, schildert WVS-Geschäftsführer Dirk Müller.

Die Tafel informiert die Besucherinnen und Besucher darüber, dass die Gas-, Wasser- und Kanalwerke der Stadt Siegen den Sammelweiher bei Sohlbach – ebenso wie den Afholderbacher und den Obernauer Weiher – Ende des 19. Jahrhunderts als sogenannten „Kompensationsteich“ angelegt haben. In ihm wurde überschüssiges Wasser gesammelt, welches im Sommer zur Bewässerung der umliegenden Wiesenflächen diente, während es im Winter dem sich unterhalb anschließenden Vorfluter zugeleitet wurde, um Überschwemmungen zu vermeiden.

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein hat am Sohlbacher Weiher neue Tafeln aufgestellt, die über die Geschichte des Gewässers und die dortige Edelkrebs-Kolonie informieren.

Vorausgegangen war der Entstehung der Teiche ein Streit ums Wasser. Als die Stadt Siegen im Jahr 1880 damit startete, erste Planungen zu Wassergewinnungsanlagen in den Quellgebieten von Sohlbach, Afholderbach und Obernau anzustellen, da sie selbst zunehmend Probleme mit der Wasserversorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger bekam, befürchteten anliegende Wiesenbesitzer aus den drei Dörfern, dass ihnen damit vor allem in den Sommermonaten das Wasser für ihre Wiesenbewässerung genommen werden würde. Mehrjähriger Widerstand der Dorfbewohnerinnen und -bewohner, der sogar bis nach Berlin zum Kaiser getragen wurde, konnte den Bau der Quellwasserleitung zur Versorgung der Siegener Bevölkerung jedoch nicht verhindern. Die Beteiligten einigten sich aber auf einen Kompromiss: Als Entschädigung für den Bau der Leitungen wurden die Weiher angelegt, damit den Bauern auch im Sommer immer genügend Wasser zur Bewässerung ihrer Wiesen zur Verfügung stand.

250 solcher Edelkrebse hat der WVS gemeinsam mit dem Edelkrebsprojekt NRW im Herbst 2022 nach einer umfangreichen Sanierung des Weihers in das Gewässer eingesetzt. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht.

Mittlerweile sind die Quellleitungen und die Wiesenbewässerung längst aufgegeben und der Sohlbacher Weiher hat nach einer umfassenden Sanierung im vergangenen Jahr eine neue, wichtige Funktion bekommen: seit Oktober 2022 ist er Heimat einer Edelkrebs-Kolonie. „Darüber klärt eine zweite Infotafel auf“, berichtet WVS-Betriebsingenieurin Sarah Horstick, die sich – wie schon an der Obernautalsperre – federführend um die Gestaltung und Errichtung der Infotafeln gekümmert hat. Gemeinsam mit dem vom nordrhein-westfälischen Fischereiverband und NABU getragenen Edelkrebs-Projekt NRW hat der Wasserverband Siegen-Wittgenstein vor rund einem Jahr 250 Edelkrebse in den Sohlbacher Weiher eingesetzt. „Damit sind wir zu Edelkrebs-Paten geworden und leisten einen Beitrag zum Erhalt der heimischen Art. Uns sind die Biodiversität und eine gesunde Flora und Fauna ein großes Anliegen“, so Dirk Müller. Der Edelkrebs, der früher in nahezu jedem heimischen Fluss und Bach zu finden war, ist vom Aussterben bedroht. Verantwortlich dafür sind eingeschleppte Krebsarten, hauptsächlich aus Nordamerika, die die Edelkrebse verdrängt haben und zudem Träger der für heimische Arten zumeist tödlichen Krebspest sind. Das Edelkrebs-Projekt NRW hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Edelkrebs durch gezielte Ansiedlung in geeigneten Flüssen, Bächen, Seen und Teichen vor dem Verschwinden zu schützen. „Ein Gewässer ist als Edelkrebs-Domizil geeignet, wenn es eine gute Wasserqualität und naturnahe Uferstruktur besitzt und möglichst isoliert liegt, damit keine amerikanischen Flusskrebsarten einwandern können. Unser Sohlbacher Weiher ist solch ein Gewässer, da er mit Regen- und Quellwasser aus dem Tal gespeist wird und durch sein Dammbauwerk von flussabwärts liegenden Gewässern getrennt ist“, weiß der WVS-Geschäftsführer. Sarah Horstick und er freuen sich, dass die Besucherinnen und Besucher des Weihers mittels der Tafeln nun mehr über die Geschichte und das Artenschutzprojekt erfahren können. Die Tafeln sind übrigens im selben Design gestaltet wie die neuen Tafeln an der Obernautalsperre, um den Wiedererkennungswert als „WVS-Gewässer“ zu steigern.

16. November 2023

Noch bis 3. März 2024: Sonderausstellung zum Thema "Wasser"

WVS als Kooperationspartner bei der Veranstaltung im Heimatmuseum Netpherland mit an Bord

Eine interessante Ausstellung rund ums Thema Wasser können Interessierte noch bis Anfang März 2024 im Heimatmuseum Netpherland erleben. Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) ist Kooperationspartner der Ausstellung, die vom Museumsteam des Heimatvereins Netpherland anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Obernautalsperre auf die Beine gestellt und am Sonntag, 12. November, offiziell eröffnet wurde.

„Der Verband konnte das Jubiläum aufgrund der Corona-Nachwirkungen, die wir immer noch spüren, selbst nicht so gestalten, wie es eigentlich angemessen gewesen wäre“, erklärte WVS-Geschäftsführer Dirk Müller im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung. „Umso dankbarer bin ich dem Museumsteam des Heimatvereins Netpherland, der sich intensiv mit der Geschichte der ortsbildprägenden Obernautalsperre beschäftigt und die Initialzündung zu dieser besonderen Ausstellung gegeben hat, welche den runden Geburtstag und alles, was mit ihm verbunden ist, noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.“

Besucherinnen und Besucher erfahren hier allerlei Wissenswertes über das Bauwerk und seine Technik, über die Talsperre als Lebensraum für Flora und Fauna, aber auch über ihre Entstehungsgeschichte und die Dörfer Obernau, Nauholz und Obernau, die dem Wasser komplett oder zum Teil weichen mussten. Fotos aus dem Fundus des WVS ergänzen die auf große Tafeln gedruckten Informationen. Auch der Teil einer alten Holzwasserleitung, die bei Bauarbeiten am alten Marktplatz in Netphen gefunden wurde, gehört zu den Exponaten, ebenso Zeitungsausschnitte und weitere Rohrstücke aus vergangenen Tagen.

Darüber hinaus wird das Thema Wasser noch von vielen anderen Seiten beleuchtet. So hat das Museumsteam auch die Wasserkraft und die im Siegerland früher häufig zu findenden Mühlen in den Blick genommen, die erst zum Mahlen eingesetzt und im Zuge der Industrialisierung als Energielieferanten für die Schmelzhütten, Bergwerke, Sägewerke, Eisenhämmer und Lohmühlen wichtig wurden. Ebenso wird der Badekultur und den Freibädern in Deuz und im Obernautal ein Kapitel gewidmet. Und wer möchte, kann an der aufbereiteten Hauspumpe selbst ausprobieren, wie es war, als die einstigen Bewohnerinnen und Bewohner des heutigen Museumsgebäudes aus ihrem eigenen Brunnen Wasser pumpten.

Harald Gündisch vom Heimatmuseum Netpherland, Netphens Bürgermeister Paul Wagener und WVS-Geschäftsführer Dirk Müller (von links) bei der Eröffnung der Ausstellung.
Zahlreiche Informationen zur Entstehungsgeschichte der Talsperre, zum Bau, zur Technik und zur Flora und Fauna finden die Besucherinnen und Besucher auf den Wandtafeln.
Wann wurde mit dem Bau der Talsperre begonnen, wann war sie fertig und was war in all diesen Jahren eigentlich noch? Ein Zeitstrahl gibt Aufschluss darüber und ordnet die Meilensteine der Obernautalsperre in die Weltgeschichte ein.

Begleitet wird die Ausstellung von einigen Sonderveranstaltungen. So wird es beispielsweise am 26. November einen Vortrag von Heimatforscher Wilfried Lerchstein über die Weiher bei Afholderbach, Sohlbach und Obernau geben und am 14. Januar eine Führung mit Dirk Müller an und durch die Obernautalsperre. Am 8. Februar gibt es eine Unterrichtsstunde zum Thema Wasseraufbereitung mit WVS-Mitarbeitenden für Schülerinnen und Schüler der Anita Ruth Faber Sekundarschule Netphen. Und am 3. März steht ein Wasser-Tasting auf dem Programm, das zeigen soll: Wasser ist nicht gleich Wasser.

Wann? jeden 1., 3. und 4. Sonntag im Monat von 15.00 bis 17.00 Uhr, jeden 2. Sonntag im Monat von 10.00 bis 12.00 Uhr sowie nach Vereinbarung (heimatmuseum@heimatverein-netpherland.de)
Wo? Heimatmuseum Netpherland, Lahnstraße 47, 57250 Netphen
Wie viel? Eintritt frei! Spenden sind gern gesehen.
Weitere Infos? » Heimatverein Netpherland e.V. (heimatverein-netpherland.de)