Talsperrenstände unter Normalniveau: WVS ergreift Vorsorgemaßnahmen

Gefühle täuschen. In diesem Winter gab es viel Schnee und davor und danach hat es ununterbrochen geregnet. Das ist zumindest der Eindruck, den viele Siegerländer und Wittgensteiner haben. Doch trotz zum Teil starker Regen- und Schneefälle reicht der Niederschlag bislang nicht aus, um die Obernau- und Breitenbachtalsperre nach dem trockenen Sommer 2025 wieder vollständig aufzufüllen. Füllstände von aktuell 65 % bzw. 73 % liegen unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Für Dirk Müller, den Geschäftsführer des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein (WVS), ist die Ursache klar: „Der Klimawandel“, so der Diplom-Ingenieur und er erklärt weiter: „Normalerweise füllen sich die Talsperren im Winter, bevor sie zwischen April und Dezember aufgrund geringerer Niederschläge, steigender Temperaturen, zunehmender Verdunstung und höherem Verbrauch wieder absinken. Wir sind also äußerst abhängig vom Niederschlag in den Wintermonaten.“

Bereits im Februar und März 2025 hat es jedoch deutlich weniger geregnet als in den Vorjahren und auch über das ganze Jahr 2025 hinweg sind die Niederschlagsmengen gering ausgefallen. „Deshalb führen die Talsperren aktuell weniger Wasser als sonst um diese Jahreszeit üblich.“ Dirk Müller betont: „Der niedrige Wasserstand geht einzig und allein auf natürliche Klimaschwankungen zurück.“

Ein Blick auf die Niederschlagsdiagramme bestätigt das: Während im langjährigen Mittel im Februar 116,8 mm Niederschlag an der Obernautalsperre fielen, waren es im Februar 2025 lediglich 21,7 mm. Für den Monat März stehen 84,5 mm (langjähriges Mittel) 10,7 mm (2025) gegenüber. Und auch die Niederschlagswerte im Juni, August, September, November und Dezember 2025 lagen zum Teil deutlich unter den Mittelwerten. Insgesamt verzeichnete die Obernautalsperre 2025 einen Jahresniederschlag von 762,5 mm. Das langjährige Mittel liegt bei 1.041,1 mm. Die gleiche Tendenz zeigt sich an der Breitenbachtalsperre: Hier gab es 2025 857,2 mm Niederschlag, das langjährige Mittel liegt bei 1.203,4 mm.

Vorsorge für eine stabile Trinkwasserversorgung

Aufgrund dieser Lage hat der Wasserverband Siegen-Wittgenstein bereits Schritte umgesetzt, um die Trinkwasserversorgung auch dann noch stabil zu halten, wenn langanhaltender Niederschlag weiterhin ausbleibt. Beispielsweise läuft das Grundwasserwerk Siegtal als drittgrößte Gewinnungsanlage des Verbandes bereits seit Anfang 2025 wieder unter der höchstmöglichen Auslastung. Dirk Müller: „Wenn die Talsperren in niederschlagsreichen Zeiten randvoll gefüllt waren, haben wir diese Gewinnungsanlage aus energetischen Gründen mit geringerer Auslastung betrieben. Das war zum Beispiel in den Jahren 2023 und 2024 phasenweise der Fall. Aber jetzt müssen wir die Talsperren bestmöglich entlasten und ihre Vorräte schonen.“ Dazu gehöre auch ein Antrag bei der Bezirksregierung Arnsberg, die Pflichtabgaben aus den Talsperren in die darunter liegenden Gewässer temporär verringern zu dürfen: „Solange es gewässerökologisch vertretbar ist, möchten wir flexibler agieren können.“

Prüfung zusätzlicher Ressourcen und langfristiger Optionen

 Parallel untersucht der Verband weitere Möglichkeiten, Wasserressourcen noch besser auszuschöpfen und im Betriebsablauf ergänzende Einsparpotenziale zu erzielen. Besondere Bedeutung kommt dabei den kleinen Gewinnungsanlagen zu, die sich übers gesamte Kreisgebiet verteilen. „Wir analysieren, aus welchen Anlagen wir kurzfristig zusätzliches Wasser gewinnen könnten und welche infrastrukturellen Anpassungen dafür notwendig wären“, so der WVS-Geschäftsführer. Außerdem prüft der Verband gemeinsam mit den Fachbehörden die Möglichkeit, sich vorübergehend Wasser aus weiteren Nebentälern der Obernautalsperre zunutze zu machen und dieses ins Einzugsgebiet der Talsperre umzuleiten.

Dirk Müller betont jedoch: „Auf lange Sicht können diese Maßnahmen die verfügbaren Wassermengen nicht entscheidend beeinflussen, sondern lediglich eine Teilkompensation darstellen. Um die Trinkwasserversorgung in der aktuellen Quantität und Qualität auch für künftige Generationen sicherzustellen, brauchen wir eine weitere Talsperre oder eine Verbundleitung zu einem anderen Wasserversorger.“ Entsprechend intensiv würden auch diese Optionen beleuchtet.

Blick nach vorn: Niederschlag bleibt entscheidend

 Trotz aller technischen und organisatorischen Maßnahmen bleibt aber ein Faktor unverändert entscheidend: die natürlichen Niederschläge. Das betont auch Landrat und Wasserverbandsvorsteher Andreas Müller: „Leider können wir den Regen nicht herbeizaubern. Wenn es weiterhin zu trocken bleibt, könnten im Sommer Maßnahmen zur Wassereinsparung notwendig werden.“ Auf dem Trockenen sitzen wird aber niemand, unterstreicht er: „Die Versorgung mit Trinkwasser für den täglichen Bedarf hat immer höchste Priorität. Eine mögliche Sparmaßnahme wäre etwa ein Verbot zum Befüllen privater Pools. An diesem Punkt sind wir aber noch nicht. Erstmal treffen wir unsere Vorkehrungen und hoffen auf ausreichend Niederschlag. Sollten Einsparmaßnahmen künftig doch erforderlich werden, wird der Wasserverband die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig informieren.“

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