Millionen-Investition in die Versorgungssicherheit

Arbeitseinsatz der besonderen Art: Damit in die Leitung ein neues Rohr eingezogen werden kann, mussten vorab 430 Edelstahlmanschetten manuell ausgebaut werden.

Mehrere Millionen Euro investiert der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) jährlich in die Instandhaltung, Sanierung und den Ausbau seiner Infrastruktur. „Trinkwasser ist ein existenziell wichtiges Gut. Ausfälle oder Qualitätsprobleme sind nicht akzeptabel. Solche Maßnahmen sind entscheidend, um rund 300.000 Menschen auch künftig zuverlässig und nach allen technischen und gesetzlichen Vorgaben mit erstklassigem Trinkwasser versorgen zu können“, betont Dirk Müller, Geschäftsführer des WVS.

Damit die Kosten sowie eventuelle Beeinträchtigungen für die Anwohnerinnen und Anwohner so gering wie möglich bleiben, prüft der WVS bei allen Maßnahmen sorgfältig, wo sich Arbeiten effizient bündeln lassen. Hierbei spielen auch unterschiedliche Bauverfahren grabenloser Verlegetechniken eine wesentliche Rolle. Ein aktuelles Großprojekt ist die Erneuerung eines
2,2 Kilometer langen Abschnitts der Transportleitung 2, die Rohwasser aus der Obernautalsperre zur Aufbereitungsanlage in Dreis-Tiefenbach befördert. Zwischen Brauersdorf und Netphen verläuft die Leitung in einem Wirtschaftsweg, den die Stadt Netphen zu einem Radweg ausbauen möchte. Weil der WVS hier schon mehrere Rohrbrüche bzw. Undichtigkeiten verzeichnen musste, ergreift der Verband jetzt die Chance und erneuert die 53 Jahre alte Leitung, bevor der Radweg hergestellt wird. Damit nutze man nicht nur Synergien mit der Stadt Netphen, erklärt Dirk Müller: „Als eine von zwei Leitungen, die uns für den Transport des Rohwassers von der Talsperre zur Aufbereitungsanlage zur Verfügung stehen, ist diese Leitung für die Versorgungssicherheit von zentraler Bedeutung. Durch die grundlegende Erneuerung des störungsanfälligen Abschnitts und die Anpassung an den aktuellen Stand der Technik erhöhen wir die Redundanz in diesem Bereich und stärken zugleich die Resilienz unseres Gesamtsystems.“

Erneuerung heißt in diesem Fall, dass in das vorhandene Spannbetondruckrohr mittels Reduktionsverfahren ein neues Kunststoffrohr aus Polyethylen (PE) eingezogen wird. Nur in Bereichen mit zu starker Krümmung muss das PE-Rohr in offener Bauweise, also in einem Graben, verlegt werden. Diplom-Ingenieur Thomas Meiswinkel koordiniert die komplexen Abläufe. Zunächst musste die bestehende Leitung außer Betrieb genommen und gespült werden, um den über die Jahre entstandenen Biofilm zu entfernen. Anschließend folgte ein besonderer Arbeitsschritt: das Ausbauen von rund 430 Edelstahlmanschetten, die 2003 zur Vorbeugung weiterer Undichtigkeiten manuell in die Leitung eingebaut worden waren. „Diese Abdichtungen wären für den Einzug des neuen Kunststoffrohres im Weg gewesen, deshalb mussten sie raus“, erklärt Thomas Meiswinkel. Diese Aufgabe übernahm eine Spezialfirma aus Österreich. Über mehrere Tage demontierte ein 16-köpfiges Team die Manschetten in Handarbeit – ein echter Kraftakt in einem unterirdisch verlegten Betonrohr mit nur 80 Zentimetern Durchmesser. Doch für die Experten aus der Alpenrepublik kein Problem: fast unbemerkt von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern über ihren Köpfen beförderten sie die Gummibänder und Edelstahlspannringe Stück für Stück aus der Rohwasserleitung ans Tageslicht.

Inzwischen hat der WVS den Leitungsabschnitt mit einer TV-Kamera inspiziert und eine Laserkalibrierung durchgeführt, um den Außendurchmesser des neuen PE-Rohres genau festzulegen. Die 20 Meter langen Rohre werden später vor Ort zu Strängen von bis zu 570 Metern verschweißt und über mehrere Baugruben in die vorhandene Leitung eingezogen. Auch drei neue Schächte mit Be- und Entlüftungseinrichtungen werden gebaut. Parallel entstehen bereits jetzt die Zwischenabschnitte in offener Bauweise.

Die Arbeiten sollen planmäßig im Sommer abgeschlossen sein. Währenddessen übernimmt die parallel verlaufende Transportleitung 302 den Rohwassertransport aus der Talsperre nach Dreis-Tiefenbach.

Mit rund 3 Millionen Euro zählt die Maßnahme zu den größten, die der Verband derzeit umsetzt. „Das ist zweifellos viel Geld“, wissen Dirk Müller und Thomas Meiswinkel. „Aber angesichts der Bedeutung und des Alters der Leitung, der wiederholten Schadensereignisse und des geplanten Radwegausbaus ist dies der richtige Schritt zur richtigen Zeit.“

Leave a Reply

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner